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Sep 05

„Alles gratis?“ Kostenloser Content im Internet – Eine Bestandsaufnahme

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Die großen und kleinen Tageszeitungen Deutschlands kämpfen im Moment mit einer besonderen Situation im Internet, manche sogar ums Überleben. So sind heutzutage die Ansprüche der Internet-User extrem hoch, was Inhalte angeht: Jeder möchte gut recherchierten, stichhaltigen Content geboten bekommen. Zusätzlich muss dieser ansprechend aufbereitet sein und die Seite muss mit einem hohen Grad an Usability glänzen. 

Und das Ganze für 0 € bitte | Foto kostenlos auf Pixelio.de gedownloaded © Markus Wegner,

Und das Ganze für 0 € bitte | Foto kostenlos auf Pixelio.de gedownloaded © Markus Wegner

Das Alles ist für die Internet Nutzer heutzutage selbstverständlich geworden. Ein mancher Zeitgenosse kommt sogar mit dem Anspruch daher, dass Inhalte im Internet nicht nur kostenlos zur Verfügung gestellt werden müssen, sondern auch 100 Prozent werbefrei und auf gar keinen Fall irgendwelche kommerziellen Hintergründe haben dürfen.

Monetarisierung mit der Brechstange – Tageszeitungen auf Abwegen

In der Konsequenz sind die Internetauftritte der Nachrichten-Portale von SZ, Frankfurter Allgemeinen und Co. zwar sehr gut besucht. Monetarisieren lassen sie sich diese Projekte aber eher schlecht als recht. So manche Tageszeitung und Nachrichtenportal verkaufen in ihrer Verzweiflung Links an Agenturen zur Suchmaschinenoptimierung oder im Rahmen eines Advertorials gleich an Kunden. Im klaren Bewusstsein, dass sie gegen Google Richtlinien verstoßen und ihren PageRank riskieren. Die TAZ dagegen appelliert an das Gewissen der User und fordert diese auf, für gute Inhalte eine Spende zu leisten. Matthias Urbach, Leiter von taz.de: „möchte damit an die Stelle der ‚Gratis-Kultur‘ eine ‚Kultur der Fairness‘ setzen.

Auch ich habe mir in letzter Zeit immer wieder Gedanken gemacht: Zu (nicht) kostenlosen Inhalten im World Wide Webs, deren Nutzer und das Verhältnis, bzw. dem Anspruch der Nutzer an (kostenlose) Inhalte. Angeregt wurde ich dabei von teilweise sehr lebhaften Diskussionen bei einem Team-Meeting zu unserem Internet-Projekt www.inspiration-for-success.com. Außerdem von einem Artikel zu Wikipedia auf dem Blog des „Gentle Rockers“.

Angebot und Nachfrage

Ich meine, dass wir für diese besondere Situation im Internet heutzutage das kapitalistische Prinzip von Angebot, Preis und Nachfrage verantwortlich machen können. Die Nachfrage nach einem Angebot bestimmt den Preis. Wenn also Leute bereit sind Informationen erst einmal „für lau“ zur Verfügung zu stellen, dann hat derjenige, welcher seine Informationen gerne verkaufen möchte, den kürzeren gezogen. Er wird keine Nachfrage nach seinem Produkt haben. Jedenfalls wenn er oder sie nicht wesentlich mehr und besseren Content bietet, als derjenige, der kostenlos arbeitet.

So ist das eben und man wird wenig dagegen machen können. Appelle für eine Kultur der Fairness werden bei manchen unserer besonders fairen „Mit-Usern“ sicherlich fruchten. Die meisten aber haben ganz schnell den „Zurück Button“ ihres Browsers gefunden. Mit dem Klick auf den Internet-Auftritt einer anderen Tageszeitung, die sie nicht daran erinnert, dass Menschen hier viel Arbeit und Zeit in Recherche, Aufbereitung und Wiedergabe des Artikels gesteckt haben, wird das schlechte Gewissen auch ganz schnell „weggeklickt“.

Ein Anspruch auf kostenlosen Content?

Soweit die „Ist-Situation“. Begeben wir uns aber auf eine andere Ebene und fragen, ob deswegen ein (moralischen) Anspruch auf kostenlosen Content im Internet besteht? Ich finde: Nein! Ganz sicher nicht!! Nur weil Inhalte im Netz meist kostenlos zur Verfügung gestellt werden, oder die Seite XYZ.de den Conent ohne vermeintlich kommerzielle Motivation zur Verfügung stellt, heißt das noch lange nicht, dass daraus ein Anspruch abgeleitet werden kann, schon gar kein moralisch-theoretischer. Jeder Inhalt, der für das Internet erstellt wurde ist mit Aufwand verbunden: Recherche und das Texten kostet einerseits viel Zeit,

Deswegen rate ich Jedem, der von vornherein erwartet, dass ihm die besten Inhalte ohne kommerzielle Motivation geboten werden, oder sich darüber aufregt, dass Seite XYZ.net schon wieder so viel Werbung schaltet, sich doch einmal drei Dinge zu überlegen:

1. Es ist sozusagen eine „anthropologische Grundkonstante“, dass Menschen für ihr Handeln eine Motivation benötigen und dafür auch eine Belohnung in irgendeiner Form erwartet. Das kann auch einfach das Gefühl sein, geholfen zu haben. Allerdings ist wohl kaum jemand langfristig bereit, nur aus „Menschenliebe“ oder um die Welt zu verbessern, andauernd kostenlose Informationen zu Verfügung zu stellen.

2. So ist „Geben denn auch seliger als andauernd nur zu nehmen“ Hast du jahrelang von einer bestimmten Webseite profitiert, so wäre es doch schön, einmal etwas zurück zu geben. Das kann ja auf ganz verschiedene Art und Weise geschehen: Regelmäßige Leser der TAZ sollten wirklich einmal über eine kleine Spende nachdenken. „Heavy Wikipedia User“ dagegen können ja einfach auch einmal einen Beitrag schreiben oder verbessern. Hier gibt es viele Möglichkeiten. Ich selbst downloade beispielsweise viele Bilder von Pixelio.de. Um für einen gewissen Ausgleich zu sorgen, habe ich dort zwei meiner besten Fotos der Community zur Verfügung gestellt, die auch gerne herunter geladen werden.

3. Werbung ist der Treibstoff des Internets. Ohne Werbung gäbe es keinesfalls die große und tolle Informationsvielfalt des Internets, die heute existiert.

 

In diesem Sinne, viel Spaß mit dem News Blog: Frei von penetranten Werbebannern, manchmal mit kommerziellen Hintergedanken, aber immer kostenlos aufrufbar!

8 Kommentare

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  1. Jorgi

    Ein guter Artikel über den Stand der Dinge.
    Wir leben leider in einer Anspruchsgesellschaft, nicht nur im Internet.
    Die Gratismentalität ist ja nicht nur bei Texten etc. zu sehen sondern auch bei anderen Sachen wie Bilder und Videos, die dann zwanglos kopiert und weiterverarbeitet werden. Man ist ja gewohnt dass im Internet alles gratis ist. Es gibt natürlich einige die das vorsätzlich machen aber viele sind sich gar keiner Schuld bewusst und wissen gar nicht was das für Folgen haben kann.
    Viele wissen auch einfach gar nicht wievielt Arbeit hinter einem vernünftigen Webauftritt steht. Ich denke mal, dass die meisten Webseitenbetreiber, wenn man den Aufwand in Stunden und Stundenlohn aufrechnet, nur recht wenig damit verdienen.
    Wenn sich dann mal wirklich einer konkret beschwert lade ich den gerne ein für so einen Stundenlohn für mich zu arbeiten.

  2. Thomas

    Gartis ist immer so eine Sache. Geht in der Regel nicht lange gut und dann ist der Wettbewerb wieder ärmer und der Verbraucher schaut auf Dauer in die Röhre.

  3. Rudolf

    Immer alles Gratis und dann wundern wir uns warum Niemand mehr etwas verdient. Gerade in Internet ist es einfach mit Copy und Paste (geistigen) Diebstahl zu begehen. Und woher bin ich sicher, das die Gratis-Dateien auch wirklich dem Anbieter gehören.

    Ich kaufe meine Bilder bei fotolia.de und meine Texte mache ich selber.

  4. Robin

    Hallo Jorgi, Thomas und Rudolf,

    Danke für eure anregenden Kommentare! Ich lasse das Ganze jetzt einfach mal so stehen und freue mich auf weitere Beiträge und Meinungen, vielleicht auch mal eine Gegenstimme 🙂

  5. S. Meyer

    Gegenstimme gewünscht ? Bitte sehr :

    Viele Tageszeitungen besitzen doch gar keine ernstzunehmende Redaktion mehr und bauen die Zeitung aus einem Grundgerüst zusammen, dass in halb Deutschland genutzt wird. Aktuelle (regionale) Meldungen Online zu finden – scheint kaum der Sinn von Tageszeitungen zu sein, ansonsten ist es kaum zu erklären, dass solche Themen eher bei Radiosendern im Newsticker und der Regionsübersicht erscheinen…

    Für solche Nachrichten, oder Nichtnachrichten geben Menschen offline (gedruckt) immer weniger Geld aus und Online verhält es sich natürlich nicht anders. Die Welt versteht sich blendend darauf einen Artikel in schwarz und 5 Tage später einen in weiß zu schreiben. Einen Artikel der beide Seiten durchleuchtet sucht man meistens vergeblich.

    Viel sogenannter „Content“ im Netz ist es gar nicht Wert eine Bezahlung zu erfahren. Man würde Ihn teilweise auch nicht vermissen, wenn es Ihn nicht mehr gäbe. Dass unter dem Problem der Überflutung auch gute und seriöse Anbieter zu leiden haben ist teilweise aber auch ein hausgemachtes Problem. So wie Praktiker mit der Werbung „20% auf alles“ in die Insolvenz ging, so haben auch die Zeitungen von Anfang an mit „100% auf alles“ geworben und wundern sich jetzt, dass keiner was zahlen will.

    Solange Bilderserien oder Gratisspiele bei Tageszeitungen die besucherintensivsten Seiten sind, muss man sich über Bezahlung kaum Gedanken machen.

    Vielleicht wäre es gut wenn sich irgendwann ein Bezahlmodell für gute, herausragende und arbeitsintensive Inhalte durchsetzt …….. vielleicht muss man sich aber auch damit abfinden, dass im Netz die Bezahlung durch die Wirtschaft (also Werbung) getragen wird und es keine Möglichkeit gibt extra Geld aus den Besuchern herauszudrücken. Die nicht öffentlichen Fernsehsender können mit diesem Umstand übrigens gut Leben – und hinsichtlich Qualität gibt es für die Zuschauer meistens auch keinen Grund zur Klage.

  6. Henri

    Ich hab auch schon oft gehört, dass nur die Sachen, die was Kosten auch was Wert sein sollen. Ich persönlich glaube nicht, dass diese Aussage stimmen muss. Das Problem ist vielleicht nur, dass man bei kostenlosen Sachen länger suchen muss, bis man das gewünschte gefunden hat. Es gibt halt dann erst eine Menge Datenmüll durch den man sich kämpfen muss.

  7. Dirk Otten

    Guten Morgen zusammen,

    also ich denke das ist immer so eine Sache. Viele kostenlose Informationsquellen sind einfach wirklich schlecht recherchiert. Darüber hinaus ist es halt wirklich so, dass die User lernen müssen Inhalte zu bewerten und zu filtern. Wer ganz und gar auf den Informationsfluss des Internets setzt der wird halt auch das ein oder andere Mal arg enttäuscht werden. Also OLD SCHOOL Media ist schon hilfreich. Außerdem gibt es auch ein starkes Themengefälle. So ist gerade der Technikbereich sehr gut abgedeckt, andere gerade kulturelle Themen werden doch eher stark vernachlässigt.

    LG
    Dirk

  8. Robin

    Danke für die differenzierten Kommentare allerseits!
    Ich denke, dass hinter schlecht recherchiertem Content oft die grösstem und vor allem dreistesten Werbe- und damit Gewinnerzielungs- Absichten stehen. Es ist schon so, dass es im Internet eine Vielzahl von „Content-Halden“ gibt, die mit zugekauften „0,02€/Wort“-Texten diverser Content-Schleudern versehen werden und mit Adds und Bezahl-Links vollgekleistert werden. Solche einen Content braucht niemand. Glücklicherweise räumen Googles Pinguin und Panda hier im Moment ein bisschen auf. Irgendwann werden sich hoffentlich die Server-Gebühren solcher Seiten nicht mehr lohnen und diese aus dem Netz verschwinden.
    Auf der anderen Seite bleiben die vielen wirklichen Projekte im Internet, die von echten Menschen mit echtem Herzblut betrieben werden und in vielen unbezahlten Stunden vor und nach der Arbeit und am Wochende entstehen.

    Den Umstand, dass viele technische Themen im Internet mit wesentlich mehr Kompetenz behandelt werden und kulturwissenschaftliche Themen eher ein stiefmütterliches Dasein fristen, hat John auf dem Gentle Rocker Blog schon angesprochen. Deswegen habe ich auch das http://www.Geschichte-lernen.net Projekt ins Leben gerufen

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